Mit kompostierbarer Verpackungen Abfälle reduzieren

  • Kompostierbare Verpackungen sind eine umweltfreundliche Alternative für Regionen, in denen noch keine guten und zuverlässigen Entsorgungs- und Verwertungssysteme existieren.
  • Ausgangsstoffe einer kompostierbaren Verpackung sind meist nachwachsende Rohstoffe und recycelte Materialien.
  • Je nach Material sind die Verpackungen industriell oder heimkompostierbar.
  • Erkennbar ist die Kompostierbarkeit an bestimmten Siegeln auf der Verpackung.
  • Die Umwelt-Bedingungen haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie schnell sich die Verpackung zersetzt.
  • Kompostierbare Verpackungen, die nicht recycelbar sind, verbrauchen Ressourcen.

Was bedeutet kompostierbare Verpackungen?

Kompostierbare Verpackungen bestehen aus biologisch abbaubaren Materialien, die sich gemäß internationalen Normen innerhalb einer bestimmten Zeit in Wasser, Kohlendioxid, Methan und Biomasse zersetzen. Sie basieren zumeist auf nachwachsenden Rohstoffen oder Biokunststoff. Man unterscheidet zwischen industrieller und heimischer Kompostierung. Der Zersetzungsgrad und die Zersetzungsgeschwindigkeit sind abhängig von den vorherrschenden Kompostierungsbedingungen.

Wie ist der Begriff „Kompostierbarkeit“ in den Verpackungsnormen definiert?

Anforderungen an kompostierbare Verpackungen sind für den Geltungsbereich Europa sowie Deutschland in der DIN EN 13432 definiert und werden mittels Testverfahren nachgewiesen:

  • Einhaltung von Schadstoffgrenzen, z. B. Schwermetall.
  • Zersetzung innerhalb eines festgelegten Zeitraums (6 Monate).
  • Zersetzung unter definierten Temperatur-, Sauerstoff- und Feuchtigkeitsbedingungen.
  • Umwandlung von mind. 90 % des Materials in CO2 im definierten Zeitraum unter festgelegten Bedingungen.
  • Keine negative Beeinflussung des Kompostierungsprozesses.
  • Keine negativen Effekte auf Pflanzen, die mit dem Kompost gedüngt werden.

Wie kann man feststellen, ob es sich um eine kompostierbare Verpackung handelt?

Nachgewiesenermaßen kompostierbare Verpackungen sind meist mit entsprechenden Siegeln bzw. Logos auf der Verpackung gekennzeichnet. Eine Kennzeichnungspflicht besteht allerdings nicht.

Logo für industrielle Kompostierbarkeit

In Deutschland wird die industrielle Kompostierbarkeit vom TÜV Rheinland / DIN CERTO geprüft, in Österreich vom TÜV Austria. Industriell kompostierbare Verpackungen können wie folgt gekennzeichnet sein:

  • DIN-Geprüft industriell kompostierbar (TÜV Rheinland)
  • Keimling-/Seedling-Logo (TÜV Rheinland, TÜV Austria)
  • OK compost INDUSTRIAL (TÜV Austria)

Heimkompostierbare Verpackungen

Für die Heimkompostierung gibt es noch keine festgeschriebene Norm, sondern nur eine Auflistung von technischen Anforderungen. „Bio-Verpackungen“, die mit dem Label „OK compost HOME“ des TÜV Austria gekennzeichnet sind, dokumentieren, dass sie den Anforderungen des Zertifizierungsprogramms des TÜV Austria für die Heimkompostierung entsprechen. Dieses war Grundlage weiterer nationaler Normen, u. a. für die

  • australische Norm AS 5810 (2010) für heimkompostierbare Kunststoffe,
  • französische Norm NFT 51-800 (2015) Spezifikationen für heimkompostierbare Kunststoffe,
  • europäische Norm prEN 17427 (2020) für heimkompostierbare Tragetaschen.

Welche Verpackungen sind kompostierbar?

Zu kompostierbarem Verpackungsmaterial zählen beispielsweise Lebensmittelverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bagasse, Palmblatt und Bambus oder aus Biokunststoffen, die aus Polymilchsäure (PLA) und CPLA (kristallisierter Polymilchsäure) hergestellt werden. Weitere Beispiele sind Faserguss-Verpackungen aus Kartoffelstärke, Verpackungschips aus Maisstärke sowie Zellglas-Beutel.

Recyclebarer Kunststoff Polypropylen (PP)
  • leicht
  • hohe Festigkeit
  • fett-, feuchtigkeits- und säurebeständig
  • hohe Beständigkeit gegenüber vielen Chemikalien
  • schweißbar
  • enthält keine Weichmacher
  • härter und hitzebeständiger als Polyethylen
  • elastisch bis ca. 0 °C
  • geeignet als Mikrowellengeschirr
  • wird auch als Beschichtung für Verpackungen verwendet
  • sehr gut zu recyceln
  • zerfällt unter UV-Strahlung zu Mikroplastik
  • Additive und Füllstoffe schränken Recyclingfähigkeit ein
  • erweicht bei hohen Temperaturen über 100 °C

Polypropylen (PP) wird aus Erdöl oder Erdgas gewonnen. Biobasiertes Polypropylen kann aus pflanzlichen Fetten, Ölen oder Zuckerrohrmelasse gewonnen werden. Die Eigenschaften von biobasiertem PP ähneln dem von herkömmlichem PP. Noch ist biobasiertes PP teurer als erdölbasiertes PP.

Polypropylen wird als Verpackung für Lebensmittel genutzt, z. B. für Joghurtbecher, Verschlüsse von Flaschen oder wiederverwendbare Kunststoffverpackungen sowie als Kanister für säurehaltige oder basische Flüssigkeiten. PP-Verpackungen werden über den Gelben Sack / die Gelbe Tonne in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. Es lässt sich mit Hilfe der Nah-Infrarot-Spektroskopie im Abfallstrom identifizieren und zurückgewinnen.

Recyclebare Verpackungen aus Polyethylen
  • leicht
  • langlebig
  • wasserabweisend
  • wärmeisolierend als PE-Schaum
  • stoßdämpfend als PE-Schaum
  • enthält keine Weichmacher
  • optional antistatisch oder elektrisch leitfähig
  • passgenaue Fertigung möglich
  • kann eingefärbt werden
  • 100 % recycelbar
  • preisgünstig
  • Verbrauch fossiler Ressourcen
  • nicht biologisch abbaubar
  • bei Sonnenbestrahlung: Eintrag von Mikrokunststoff in die Umwelt

Bei Polyethylen handelt es sich um einen weit verbreiteten und besonders vielseitigen Kunststoff. Polyethylen (PE) kann aus Erdöl hergestellt werden oder aus stärke-, zucker- oder zellulosehaltigen Pflanzen. Biobasiertes PE hat die gleiche chemische Struktur und die gleichen Eigenschaften wie erdölbasiertes Polyethylen.

Es ist geeignet als Primärverpackung für Lebens- und Futtermittel, Haushaltswaren und wird zur Verpackung von hygienisch anspruchsvollen Gütern im Bereich Medizin und Arzneimittel eingesetzt. Überdies finden PE-Folien Anwendung als kostengünstige, sichere Transportsicherung für palettierte Waren. Auch Schaumstoffe können aus PE hergestellt werden. Reine PE-Verpackungen haben eine exzellente Recyclingfähigkeit.

Flaschen und Behälter aus Polyethylenterephthalat (PET)
  • leicht
  • stabil und bruchsicher
  • kann zu vielfältigen Formen verarbeitet werden
  • bildet Barriere gegen Feuchtigkeit, Fett und Sauerstoff
  • mehrfach recycelbar
  • preisgünstig
  • lebensmittelgeeignet
  • basiert auf fossilen Rohstoffen
  • nicht biologisch abbaubar
  • Produkte aus recyceltem PET (rPET) sind nicht unbegrenzt recycelbar
  • mit Beschichtungen und Additiven schwerer recycelbar
  • durch Recyclinganlagen kann Mikroplastik in die Umwelt gelangen

PET (Polyethylenterephthalat) wird aus Ethylenglykol und Terephthalsäure oder Dimethylterephthalat (DMIT) hergestellt. Ethylenglykol kann aus Erdgas oder Biomasse gewonnen werden. Terephthalsäure wird zumeist aus petrochemischen Rohstoffen wie Xylol hergestellt. Biobasiertes PET hat den gleichen chemischen Aufbau wie erdölbasiertes PET und damit die gleichen Eigenschaften.

Die wohl bekannteste PET-Verpackung ist die PET-Getränkeflasche. Aus PET können aber auch Verpackungen für Lebensmittel oder Kosmetik hergestellt werden. PET-Flaschen können bis zu 25-mal erneut befüllt werden, bevor sie mechanisch recycelt werden. Aus einer in 2020 erhobenen Auswertung geht hervor, dass die Recyclingquote von Flaschen aus PET derzeit etwa 94 % beträgt. Der Anteil an recyceltem Kunststoff in der rPET-Flasche liegt bei 30 %.

Recyclebare Verpackungen aus Edelstahl
  • langlebig
  • robust
  • hygienisch
  • korrosionsbeständig
  • hohe Chemikalienbeständigkeit
  • leicht zu reinigen
  • sterilisierbar
  • gravierbar, bedruckbar
  • wiederverwendbar
  • 100 % recycelbar
  • relativ schwer, was die Transportkosten erhöht
  • teurer als andere Verpackungsmaterialien
  • hoher Energieaufwand in der Herstellung
  • hohe Wärmeleitfähigkeit kann Produkte beeinträchtigen
  • kratzempfindlich
  • beschädigte Oberflächen begünstigen Korrosion

Stahl entsteht durch Raffinierung von Eisen. Danach folgt eine Veredelung mittels Zusatzstoffen, wie bspw. Nickel, Chrom, Mangan, um dem Endprodukt die gewünschten Eigenschaften zu verleihen. Edelstahl besteht aus Eisen und mindestens 10 % Chrom. Die Stahlerzeugung erfordert sehr hohe Temperaturen und ist somit energieintensiv.

Aufgrund seiner hygienischen Eigenschaften findet man Verpackungen aus Edelstahl im Bereich der Lebensmittelindustrie und -verarbeitung und in der Medizin. Überdies werden Edelstahlverpackungen für die Lagerung von Chemikalien verwendet. Innovative Unternehmen und Städte testen Mehrwegverpackungen aus Edelstahl.

Das Recycling ist ressourcensparender als die Herstellung von neuem Edelstahl und kann unendlich oft, ohne Qualitätseinbußen, wiederholt werden. Edelstahl kann mit modernen Detektoren, ebenso wie andere Metalle und Nichtmetalle, im Abfallstrom identifiziert, heraussortiert und ohne Qualitätsverluste zu 100 % recycelt werden.

Recyclebare Verpackungen aus Weißblech
  • sehr stabil
  • luftundurchlässig
  • lichtundurchlässig
  • wasser- und geruchsdicht
  • robust
  • hitze- und kältebeständig
  • 100 % recycelbar
  • bedruckbar, prägbar, beschreibbar
  • lebensmittelecht
  • relativ hohes Gewicht
  • gewichtsbedingt hohe Transportkosten
  • Rostbildung, wenn Schutzschichten oder Lackierungen beschädigt sind
  • Korrosion wirkt sich auf Haltbarkeit des verpackten Produkts aus
  • geringe Formbarkeit und Flexibilität
  • hoher Energieaufwand für Herstellung und Recycling
  • hoher Platzbedarf bei der Lagerung

Weißblechverpackungen werden für Lebensmittel (Getränkedosen, Konservendosen für Gemüse, Fisch, Fleisch etc.), Kosmetik (Deodorants, Parfüms, Haarspray, Tuben etc.), pharmazeutische Produkte (u. a. Blisterverpackungen) und chemische Produkte (Behälter für Farben, Lacke, Lösungsmittel etc.) eingesetzt.

Weißblech kann beliebig oft ohne Qualitätseinbußen recycelt werden. Die Recyclingquote betrug 2018 laut Thyssenkrupp 90,4 % in Deutschland. Überdies spart Weißblechrecycling laut der Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt in Deutschland jährlich etwa 1 Mio. Tonnen Primärrohstoffe ein. Reduzierte Materialstärken sparen überdies Rohstoffe.

Recyclebare Verpackungen aus Aluminium
  • leicht
  • luft- und wasserundurchlässig
  • lichtundurchlässig
  • kälte- und hitzebeständig
  • geschmacksneutral
  • je nach Materialdicke sehr flexibel bis stabil
  • wiederverwertbar
  • kann zu vielen Formen verarbeitet werden
  • hochwertige Optik, prägbar
  • kann in herkömmlichen Abfallströmen mit moderner Technik identifiziert werden
  • 100 % recycelbar
  • Aluminiumfolie kann sich beim Kontakt mit feuchten, säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln auflösen und ins Lebensmittel übergehen
  • ohne Beschichtung nicht für Fertiggerichte geeignet
  • für Lebensmittelverpackungen wird neues Aluminium benötigt
  • Verschiedene Aluminiumlegierungen erschweren das Recycling
  • Umweltschädliche Rohstoffgewinnung (Entstehung von giftigem Rotschlamm)

Aluminium kommt als Haupt- und Nebenbestandteil von Verpackungen zum Einsatz. Häufig wird es mit anderen Materialien, z. B. Kunststoffen, kombiniert, um die Anforderungen an Schutz, Haltbarkeit und Funktionalität zu erfüllen.

Aluminium wird in Lebensmittelverpackungen ebenso eingesetzt (beispielsweise Getränkedosen, Konservendosen, Folien, Tüten, Menü-/Grillschalen, Verschlüssen), als auch für pharmazeutische Verpackungen (beispielsweise Blisterverpackungen), Kosmetikverpackungen (beispielsweise Tuben, Deospraydosen) sowie Haushaltsverpackungen. Die Recyclinquote beträgt laut Aluminium Deutschland hierzulande 93,5 %. Für das Recycling von Aluminium wird nur 5 % der Energie von Primäraluminium benötigt.

Glasverpackungen für Pharmazie- und Medizinprodukte
  • hohe chemische Beständigkeit
  • für Gase undurchlässig
  • hitzebeständig
  • sehr langlebig
  • leicht zu reinigen, sterilisieren, depyrogenisieren (Heißluftsterilisieren)
  • Schutz vor UV-Strahlung (braunes Glas)
  • individuelle Optik
  • 100 % wiederverwertbar bei sortenreiner Sammlung
  • mehrfach recycelbar ohne Qualitätseinbußen
  • zerbrechlich (Verletzungsgefahr)
  • hohe Transportkosten wegen des hohen Gewichts
  • Einwegglas hat eine schlechte Ökobilanz
  • Spezielle Gläser können beim Altglasrecycling große Probleme verursachen

Da in der Pharmabranche äußerst hohe Standards für die Verpackung eingehalten werden müssen, kommen ausschließlich Glastypen aus 3 festgelegten Typenklassen zum Einsatz. Diese festgelegten Typen orientieren sich an der Glassorte (Borosilikat-Glas, Natriumoxidglas etc.) – je nach gewünschter hydrolytischer Beständigkeit. Die Glasbehältnisse werden u. a. für Flaschen, Ampullen und Spritzen eingesetzt. Der Altglasentsorgung zugeführt werden dürfen nur restentleerte Behältnisse ohne Anhaftungen von gefährlichen Stoffen oder Krankheitserregern. Überdies dürfen sie weder scharf noch spitz sein.

Glas für Kosmetikverpackungen
  • hochwertige, individuelle Optik
  • stabil, hygienisch und geruchlos
  • sicher verschließbar
  • UV-Schutz bei braunem Glas
  • mehrwegfähig
  • 100 % wiederverwertbar bei sortenreiner Sammlung
  • mehrfach recycelbar ohne Qualitätseinbußen
  • zerbrechlich (Verletzungsgefahr)
  • bei Glasbehältnissen mit großer Öffnung Gefahr der mikrobiellen Verunreinigung bei Produktentnahme
  • aufgrund des Gewichts weniger gut als Reiseverpackung geeignet
  • Gewicht erhöht Transportkosten
  • schlechte Ökobilanz von Einwegglas

Im Kosmetikbereich wird Glas u. a. für Parfums, Cremes und Lotionen verwendet. Dabei kommt vorwiegend Einweg-Glas zum Einsatz. Mehrweg- bzw. Refill-Systeme mit Glasverpackungen bieten aktuell nur wenige Naturkosmetik-Hersteller an.

Lebensmittelverpackungen aus Glas
  • stabil
  • hygienisch (auch bei Mehrweg)
  • undurchlässig für Gase, Fette und Flüssigkeiten
  • geruch- und geschmacklos
  • hitzebeständig (ideal für Hitzesterilisation von Lebensmitteln)
  • sicher verschließbar
  • braunes Glas ist nahezu undurchlässig für UV-Strahlung
  • individuelle Formen
  • mehrwegfähig (bis zu 50 Mal wiederbefüllbar)
  • sortenrein zu 100 % wiederverwertbar
  • mehrfach recycelbar ohne Qualitätseinbußen
  • relativ schwer
  • zerbrechlich
  • höhere Transportkosten aufgrund des Gewichts
  • schlechte Ökobilanz von Einwegglas
  • schlechtere Ökobilanz als PET-Mehrwegflaschen

Mit durchsichtigen Glasverpackungen können Lebensmittel besonders ansprechend präsentiert werden. Im Gegensatz zu Weißblechkonservendosen ermöglichen sie dem Kunden einen direkten Blick auf die Ware. Sie werden u. a. für Brotaufstriche, Getränke, Essig uvm. eingesetzt. Braune Glasflaschen eignen sich besonders für lichtempfindliche Lebensmittel wie Öle und Gewürze. Individuell gestaltete Verpackungen aus Glas wirken besonders edel und empfehlen sich für die Verpackung hochwertiger Waren, z. B. edle Spirituosen.

Biologische Verpackungschips
  • stärke- oder zellulosebasiert
  • leicht
  • stoßsicher
  • widerstandsfähig und flexibel
  • zersetzt sich in Wasser
  • kompostierbar in industriellen Anlagen
  • wiederverwendbar
  • unterschiedliche Entsorgung, je nach zugrundeliegendem Rohstoff
  • Rohstoffbasis für Verbraucher und Entsorger nicht mit bloßem Auge erkennbar
  • Füllstoff kann Schädlinge anziehen

Verpackungschips werden zum Füllen von Hohlräumen in Verpackungen verwendet. Neben biologischen Verpackungschips aus Mais-, Kartoffel- und Weizenstärke werden auch Zellulose oder biobasierte Kunststoffe wie Polystyrol (Polystyren) für Verpackungschips verwendet. Während biologische Chips meist sogar
(heim-)kompostierbar sind, sollten andere Materialien dem industriellen Recycling über die (braune) Bio-Tonne zugeführt werden.

Warum ist eine Aufklärung von Verbrauchern über kompostierbare Verpackungen so wichtig?

Angesichts der Fülle an nachhaltigen Verpackungen ist es für Verbraucher nicht leicht, die biologische Abbaubarkeit bzw. Nachhaltigkeit der Verpackungen korrekt einzuschätzen. Viele Verbraucher kennen nicht die Differenzierungen zwischen „industriell kompostierbar“ und „heimkompostierbar“, sodass es zu Verunreinigungen des Komposts durch eine falsche Einsortierung kommen kann. Oft ist auch der Unterschied zwischen bio-abbaubar und kompostierbar bei Verbrauchern nicht bekannt.

Welche neuen Entwicklungen gibt es im Bereich kompostierbarer Verpackung?

Wie generell beim Thema umweltfreundliche Verpackungen ist auch beim kompostierbaren Verpackungsmaterial Innovationskraft gefragt. Unternehmen, Hersteller und Start-ups treiben die kreative Entwicklung auf diesem Feld kontinuierlich voran.

  • Verpackungen aus Pilzen
    Finnische Forscher haben den Zunderschwamm, einen Baumpilz, als vielversprechenden Ersatz für Kunststoffe in Verpackungen untersucht. Dank seiner molekularen Struktur könnte der Pilz verschiedene Kunststoffe ersetzen. Der Zunderschwamm besitzt unterschiedliche Gewebetypen mit vielseitigen Eigenschaften. Das poröse Gewebe eignet sich u. a. als Dämmstoff und Stoßdämpfer in Verpackungen.
  • Heimkompostierbare Lebensmittelfolien
    Zu den Innovationen im Bereich der bedruckbaren Lebensmittelverpackungen zählt die heimkompostierbare cellulosebasierte Folie der österreichischen Firma S.A.M. Kuchler Electronics. Die Folie zersetzt sich nach eigenen Angaben innerhalb von 7-10 Wochen auf dem heimischen Kompost.
  • Essbare Getränkeverpackungen
    Eine völlig neue Art der Getränkeverpackung ist Ohoo Water, eine essbare Membran aus Seetang, die mit Flüssigkeiten gefüllt werden kann. Sie stellt einen Ansatz dar, die Art, wie Getränke verpackt und konsumiert werden, zu revolutionieren und dabei endliche Ressourcen für die Herstellung von Kunststoffflaschen zu schonen.
  • Isolierung in Verpackungen aus Wolle
    Gefilzte Wolle kann als natürliche, nachhaltige und biologisch abbaubare Alternative zu Styropor, Aluminiumfolien und Kunststoffen in Kühlboxen und -Tragetaschen verwendet werden. Hierfür kann bspw. die Wolle am Bauch der Schafe verwendet werden, deren Fasern zu kurz für die Bekleidungsherstellung sind.

Sind kompostierbare Verpackungen nur ein Trend oder ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit?

Ein Trend sind sie in jedem Fall. Wären alle biologisch abbaubaren Verpackungen heimkompostierbar, d. h. würden sie sich in überschaubaren Zeiträumen unter normalen Bedingungen in der Umwelt zersetzen, ohne Rückstände von Mikroplastik zu hinterlassen, wären sie eine gute Verpackungsalternative und ein entscheidender Beitrag zur Reduzierung von Müll und Deponien in Ländern ohne geregelte Entsorgungs- und Recyclingwege. Ob sich diese Form der Verpackung vergleichsweise zu recyclebaren Verpackungen durchsetzen wird, hängt von den weiteren Entwicklungen im Nachhaltigkeitssektor als auch allgemein im betreffenden technischen Bereich ab.

  • Industrielle Kompostierbarkeit erfordert entsprechende Technik
    Der Großteil der abbaubaren Verpackungen ist nur industriell kompostierbar entsprechend der DIN EN 13432. Verpackungen die gemäß dieser Norm als kompostierbar gekennzeichnet sind, können nur in speziellen Anlagen kompostiert werden. Diese Anlagen gewinnen daraus entweder Biogas (Strom-/Wärmeerzeugung) oder Kompost, der wiederum den Stoffkreislauf schließt. Biologisch abbaubare Verpackungen, die nicht zu 100 % aus organischem Material bestehen, sind dabei eher unerwünscht. Dazu zählen beispielsweise Verpackungen aus dem „Bio-Rohstoff“ PLA (Polymilchsäure).
  • Fehlende Sortierpfade für kompostierbare Verpackungen
    Kompostierbare Verpackungen dürfen in der Regel nicht über die Biotonne entsorgt werden. Sie wandern entweder in den Gelben Sack / die Gelbe Tonne oder in den Restmüll. Da viele Anlagen nicht zwischen recycelbaren und kompostierbaren Verpackungen, z. B. Folien oder abbaubaren Tüten aus PLA, unterscheiden können, werden sie aus den Stoffströmen aussortiert und verbrannt. So gehen die in der Verpackung enthaltenen Rohstoffe verloren.
  • Keine klare Handlungsempfehlung für Verbraucher
    Der Begriff „kompostierbar“ könnte Verbraucher zu einem unachtsameren Umgang mit diesen Verpackungen verleiten, da sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass sich diese Verpackungen in der Umwelt zu Erde zersetzen. Hier liegen zwei Fehlannahmen zugrunde: Erstens zersetzen sich die Verpackungen nicht zu nährendem Kompost, sondern in der Regel nur zu CO2 und Wasser, zweitens dauert der Verrottungsprozess unter natürlichen Umgebungsbedingungen verhältnismäßig lange. Die Folge: Die Vermüllung könnte zu- statt abnehmen.

Was ist besser für die Umwelt: kompostierbare oder recyclebare Verpackungen?

Bei etablierten Entsorgungs- und Recyclingwegen, die korrekt von Verbrauchern und Industrie genutzt werden, haben recyclebare Verpackungen gegenüber kompostierbaren Verpackungen einen Vorteil: Durch die Wiederverwendung zurückgewonnener Rohstoffe können (endliche) Ressourcen geschont werden, vorausgesetzt, der Abfall wird korrekt entsorgt.

  • Transportwege beeinflussen die Ökobilanz
    Manche Rohstoffe für die Herstellung nachhaltiger Verpackungen kommen von weit her, z. B. Palmblätter für Einweggeschirr. Wenn Palmblatt-Geschirr allerdings schon nach einmaligem Gebrauch entsorgt wird, kann von Nachhaltigkeit keine Rede mehr sein.
  • Regionale Rohstoffe sind zumeist nachhaltiger
    Regional verfügbare, nachwachsende Rohstoffe für kompostierbare Verpackungen sind eine ökobilanziell interessante Alternative zu fernöstlichen Rohstoffen wie Bagasse. Faserguss-Verpackungen können beispielsweise recht leicht aus Stärke, Heu, Stroh, Hanf oder sogar Altpapier hergestellt werden.
  • Rohstoffverbrauch kompostierbarer und recyclebarer Verpackungen vergleichen
    Während kompostierbare Verpackungen Rohstoffe verbrauchen, werden die in recyclebare Verpackungen enthaltenen Rohstoffe wiederverwendet. Durch das Recycling wird der Bedarf an primären Rohstoffen verringert und die Umweltbelastung reduziert. Recyclebare Verpackungen unterstützen somit eine effiziente Nutzung von Ressourcen und tragen zur Verringerung des Abfallaufkommens bei. Kompostierbare Verpackungen hingegen werden (meist) nur einmalig verbraucht, tragen danach, bei ordentlicher industrieller Kompostierung, zunehmend zur Energiegewinnung bei und schließen den Materialkreislauf als Düngemittel/Erde in der Natur.
  • Recycling ist nur bei vorhandener Recycling-Infrastruktur möglich
    Die Recyclinginfrastruktur ist nicht überall gleich entwickelt, und nicht alle Materialien können problemlos recycelt werden. Zudem kann der Recyclingprozess energie- und ressourcenintensiv sein. Komplexe Verpackungen, die aus verschiedenen Materialien bestehen oder schwer zu trennen sind, stellen hierbei eine besondere Herausforderung dar. Darüber hinaus kann durch das Recycling nicht immer die gleiche Qualität wie bei der Verwendung von Primärmaterialien erreicht werden.

FAQ

  • Was ist der Unterschied zwischen „kompostierbar“ und „biologisch abbaubar“?
    Eine Verpackung ist biologisch abbaubar, wenn Mikroorganismen sie in Wasser, CO2 und Biomasse zersetzen, ohne definierte zeitliche Vorgaben. Als kompostierbar bezeichnet man Produkte, die sich innerhalb bestimmter Zeiträume in industriellen Kompostieranlagen oder auf dem heimischen Kompost, unter Einhaltung strenger Standards (DIN EN 13432), zersetzen.
  • Warum dürfen manche kompostierbaren Verpackungen nicht im Bio-Müll entsorgt werden?
    Nicht alle grundsätzlich kompostierbaren Verpackungen sind von Kompostierungsanlagen-Betreibern erwünscht. Der Grund ist, dass der Zersetzungsprozess mancher Materialien unter industriellen Bedingungen nicht in der dort benötigten Zeitspanne erfolgt und somit den Kompostierungsprozess erheblich beeinträchtigt.
  • Sind Papier und Pappe kompostierbar?
    Verpackungen aus Papier und Pappe können Zusatzstoffe, z. B. Druckfarben oder Klebstoffe, enthalten und sollten daher im Altpapier entsorgt werden. Nur zertifizierte biologisch abbaubare Verpackungen, die als „heimkompostierbar“ ausgewiesen sind, dürfen in die Biotonne oder auf den heimischen Kompost wandern.
  • Warum gehören biologisch abbaubare Plastikverpackungen nicht auf den Kompost?
    Bio-Kunststoffe können generell kompostfähig sein. Sie benötigen für die Zersetzung jedoch sehr lange und könnten den Kompost während des Zersetzungsprozesses und später auch die Umwelt mit Mikroplastik anreichern, wenn der fertige Kompost auf die Erde ausgebracht wird. Daher sollten biologisch abbaubare Verpackungen über den Gelben Sack / die Gelbe Tonne bzw. den Restmüll entsorgt werden, je nach Kennzeichnung. So können Sie unter definierten Bedingungen in industriellen Anlagen restlos verwertet werden.
  • Ist Kreislaufwirtschaft sinnvoller als die Kompostierung von Verpackungen?
    Eine echte Kreislaufwirtschaft berücksichtigt die gesamte Wertschöpfungskette, von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Entsorgung oder Wiederverwertung der Verpackungen. Es ist wichtig, den Ressourcenverbrauch zu minimieren und die Umweltauswirkungen zu berücksichtigen, um die beste Lösung für eine nachhaltige Zukunft zu finden.